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Hier finden Sie Informationen zur Vespa 150 T/4


Die Anfänge der Vespa in Deutschand mit den Hoffmannwerken

Schon bevor die ersten Vespas über Deutschlands Straßen knatterten, eilte ihnen ihr großer Ruf voraus.
So konnte die Vespa auch in Deutschland bemerkenswerte Erfolge verzeichnen, nachdem Piaggio Anfang September 1949 in den Hoffmann Werken in Lintorf bei Düsseldorf, einem Konfektionshersteller von Motorrädern, einen passenden Lizenznehmer für die deutsche Vespaproduktion gefunden hatte.

Im März 1950 war es dann soweit: Die ersten Vespas aus deutscher Produktion rollten aus den Werkstoren in Lintorf.
Um 1951 waren die Hoffmann Werke zu einem Begriff der deutschen Zweiradindustrie geworden. Man produzierte jährlich bis zu 12.000 Vespas, und bis zum Schluß  wurden in Deutschland ca. 41.000 Vespa Roller produziert und 38.100 zugelassen.

Der Konkurs der Hoffmann-Werke
Die Hoffmann-Pleite war nicht auf einen mangelnden Erfolg der Vespa zurückzuführen, sondern unter anderem auf eine Auseinandersetzung mit dem Lizenzgeber Piaggio. Der Entzug der Vespa-Lizenz und Rückschläge auf anderen Gebieten waren für Hoffmann das Ende. Der Konkurs bedeutete einen schweren Rückschlag für die Vespa in Deutschland. Die Händler sprangen ab und das Kundendienstnetz zerbrach, was die Kunden schwer enttäuschte. Der Konkurs von Hoffmann hinterließ eine Menge Teile, welche die Konkursverwaltung zu letzten Hoffmann-Vespen zusammenschrauben ließ.
Der Nachkriegskrimi um die Hoffmann-Werke ist ein Fall, zu dem die Hoffmann-Freunde sicher mehr sagen können.

Ein neuer Lizennehmer: Messerschmitt
I
n der Messerschmitt AG in Augsburg fand Piaggio einen neuen Lizennehmer. Zusammen gründete man 1955 die
Vespa-Messerschmitt GmbH. Diese übernahm fortan die Herstellung und den Alleinvertrieb der Vespa in Deutschland. Die Roller bestanden überwiegend aus italienischen Teilen und einigen in Deutschland hergestellten Komponenten, z.B. Tachos von VDO, Sitzbänke von Denfeld, Rücklichter von HELLA oder Scheinwerfer von HELLA/Scharlach.

Für eine kurze Zeit lang gab es dadurch zwei Vespa-Produktionsorte in Deutschland; die aus Konkursmasse gebauten Hoffmänner in Lintorf und die neuen Messerschmitts in Augsburg.

Ein neues Kapitel: Messerschmitt adé, Vespa Augsburg juchhe!

Ende Dezember 1957 wurde die Bindung mit der Messerschmitt AG gelöst und die Firmierung als Vespa-Messerschmitt-GmbH erlosch.
Der Handelsregistereintrag der neuen Vespa GmbH erfolgte im Februar 1958. Die Vespa-Produktion ging übergangslos weiter. Ersteinmal wurden aus den Restbeständen des Vorgängers Roller zusammengebaut, die man für Messerschmitts halten konnte - deren Typenschild besagte aber, daß sie nun von der neuen "Vespa GmbH Augsburg" stammten.

Bereits
1958 erreichte die Vespa in Deutschland einen Marktanteil von 30 %. Die Fahrzeugfamilie, bestehend aus den von Messerschmitt übernommenen Grundmodellen 150 Touren Export wurde um eine 125 ccm-Vespa ergänzt - nach drei Jahren Pause war das erstmals wieder eine Vespa dieser Hubraumklasse auf dem deutschen Markt.
Gegenüber den Hoffmann- und Messerschmitt-Vespen mit ihren breiten Rahmen (Wideframes) gab es bei der 125 wichtige Verbesserungen; Erstmals wurde die Karosserie des Rollers in Schalenbauweise hergestellt, wodurch einige Karosserienähte verschwanden, das Gewicht sank von 86 kg auf 81 kg (Diese Rahmen nennen wir fortan Largeframes.)
Das Beinschild war schmaler und die Seitenhauben erschlankten.
Bei den neuen Largeframe-Modellen wanderten Vergaser samt Luftfilter direkt auf den Motor, wodurch auch die Rahmenklappe unter dem Benzinhahn verschwand.
Käufer und Motorpresse reagierten sehr positiv auf die Vespa 125. Dagegen hatte die bewährte 150 T/3 unter Absatzschwierigkeiten zu leiden und verlor Kunden an die schwächere Vespa 125 und an die 150 GS/3.

Im Produktionsjahr 1959 blieb die Vespa 125 unverändert. Eine Frühjahrssensation stellte die neue Vespa 150 T/4 dar.
Da sie die Karosserie in Schalenbauweise von der neuen Vespa 125 übernommen hatte unterschieden sich die
beiden Modelle äußerlich kaum. Doch die T/4 wurde gegenüber der T/3 komplett überarbeitet.
Die wesentlichen Änderungen sind:

  • Neu konstruierter Motor:
    - der nun nach dem Drehschieberprinzip funktionierte (statt Schlitzsteuerung)
    - Motor,  Getriebe in einem Gehäuse, das zugleich als Schwinge diente (statt getrennt montierter Schwinge)
    - geänderter Kickstartermechanismus, dadurch schmalerer Motor ohne weit nach rechts herausragender Partie.
    - Verwendung der neuen für die Vespa konstruierten Fallstrom-Flachschiebervergaser der Dell'Orto "SI"-Baureihe
    - Montage von Vergaser/Luftfilter in einem direkt auf dem Kurbelgehäuse montierten Gehäuse ("Vergaserwanne")
    - Reduzierte Ölbeimischung bei einem Mischverhältnis Öl zu Sprit von 1:50 statt zuvor 1:25.
  • Größere Räder - 10 Zoll statt 8 Zoll.
  • Gewichtseinsparung um 16 kg (vollgetankt).
  • Neue Bremsen, die zwar keine verbesserte Bremswirkung aufwiesen, dafür aber nicht mehr quietschen.
  • Motorverkleidung rechts mit Drehknebelverschluss.
  • Bremslichtlichtschalter außen am Fußbremshebel der Hinterradbremse.
  • Neuer Kombischalter für Hupe, Killschlater, Parklicht, Hauptlicht und Abblendlicht auf der rechten Lenkerseite.
  • Kein Zündschlüssel mehr.

Publikum und Fachwelt waren sich darüber einig, daß Vespa mit dem neuen Modell einen großartigen Roller geschaffen hatte.
In Ausgabe 5 von 1995 der Zeitschrift "Roller-Mobil-Kleinwagen" wurde die Vespa 150 T4 ausführlich getestet. Es folgen
kurze Ausschnitte aus dem Testbericht, die belegen, wie gut die Vespa 150 T4 bei der Fachpresse angekommen ist:

"...Sehr schöner Leerlauf, konkurrenzlos leises Auspuffgeräusch auch bei höheren Drehzahlen, bei 50 km/h in der Stadt
braucht man manchmal das Horn, weil die Leute einen nicht hören. Wenn alle Kleinmotoren so leise wären,
gäbe es keine Anti-Zweiradkrach-Polemik.

...Die neue Durcharbeitung des Motors hat ihm gut getan; er hängt fein am Gasgriff, zieht sauber aus niedrigsten
Drehzahlen hoch, die Beschleunigung hat etwas gewonnen, ein wenig auch die Spitze. Man hat ihn nicht
auf Hochleistung getrimmt, sondern in der Vespa-Tradition des sparsamen Gebrauchs-Triebwerks
gelassen, aber die gesamte Charakteristik ist doch spürbar feiner geworden. Er hält sich am
Berg besser, überdreht noch fröhlicher, und echte 75 km/h sind ganz bestimmt drin ...

...Von Klemmneigung kann trotz des Mischverhältnisses von nur 1:50 (die anderen Zweitaktbauer seien
zum Nachmachen aufgefordert!) keine Rede sein ...

...Ihre Handlichkeit und ihre Wendigkeit sind vorbildlich. Ist die GS etwas übermotorisiert, so ist die Touren-Vespa in
Fahrwerk, Triebwerk und Gesamtanlage vollkommen harmonisch.

...Gesamteindruck: Fahr-Stuhl mit Pfiff"



Die Produktion stieg 1959 auf 13954 Motorroller an, wobei die neue Vespa 150 T/4 mit 52 Prozent (7321 Stück) den
größte Anteil an der Gesamtfertigung einnehmen konnte. Vespa Augsburg hatte in einigen Gebieten Deutschlands
den größten Marktanteil übernommen, insbesondere in Süddeutschland.


Derart rasante Produktionssteigerungen konnte das Jahr 1960 nicht mehr bieten und mit 54 Prozent (9600 Stück)
entfiel der größte Teil der Gesamtfertigung von 17892 Stück wieder auf die Vespa GS.
Der Anteil der Vespa 150 T/4 entsprach nun mit 27 Prozent noch 4889 Stück.


1961 straffte Vespa Augsburg das Produktionsprogramm und beschränkte sich bei der Vespa 150 T/4 auf die "de Luxe"-Ausführung. Die "de Luxe"-Ausführung hatte gegenüber der Normalversion mit Schwingsätteln eine Sitzbank
der Firma Denfeld und Chromverzierungen. Die Vespa 150 T/4 musste weitere Anteile der ohnehin
stark rückläufigen Gesamtproduktion an das Modell Vespa GS abgeben. Es wurden 1961 nur noch
2177 Stück der Vespa 150 T/4 gefertigt, was 22 Prozent der Gesamtproduktion entspricht.


Vespa 150 T4 Normalausführung Vespa 150 T4 de Luxe Ausführung
Quelle: [vespa150BA], S. 2. Quelle: [vespa150BA], S. 3.

1962 war das letzte Produktionsjahr der Vespa 150 T/4 und auch das Ende der Augsburger Produktion war bereits absehbar. Auch die neue Vespa GS/4 mit 160 ccm Hubraum konnte diese Entwicklung nicht aufhalten.
Von der Vespa GS/4 wurden 1962 gerade einmal 1955 Stück gefertigt.
Bei den anderen Modellen sah es nicht besser aus. Von der Vespa 150 T/4 wurde nur noch 1900 Stück gefertigt,
jedoch zum ersten mal wahlweise mit Vier- oder Dreiganggetriebe. Von der betagten Vespa 125 wurden
nur noch 717 Stück gefertigt.


Im Oktober 1963 wurde die Produktion der Vespa in Deutschland endgültig eingestellt. Von der Vespa 125 wurden 1963 nur noch 400 Stück und von der Vespa GS/4 nur noch 506 Stück gefertigt.


Vergl. [Kubisch], S. 63 ff.; [RMK041956] S. 18.; [RMK051959] S. 162-165.


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